<p><b>Zum Autor und zum Buch</b></p>
<p>Das Kernthema des Buches „Schrei nach Liebe“ ist die Pädagogik – geschrieben mit psychologischer Feder. Besonders die Psychoanalyse als Wissenschaft ist für mich als Autor deshalb von besonderem Interesse, weil ich über ein sehr gutes Langzeitgedächtnis verfüge und vieles aus meinem biografischen Erleben sowie auch aus der gesamten selbst erfahrenen Entwicklungszeit noch direkt vor mir sehen kann. Die Vergegenwärtigung des Vergangenen und der dabei funktionell stattfindende Abgleich mit der Jetzt-Zeit waren dabei nicht nur in produktiver und anregender Hinsicht zur Hypothesenbildung sehr hilfreich für das Verfassen dieses Buches.</p>
<p>In amtlicher Form habe ich die Studienrichtung Psychologie immer „nur“ als Nebenfach studiert – selbiges gilt für die Soziologie. Im Gegensatz zu Therapeuten, deren Bücher ich ebenso gerne lese, hatte ich als Erwachsener in meinem Berufsleben nicht vorrangig mit psychisch kranken Menschen zu tun, sondern schlicht und ergreifend mit allen: die Grundschule, wo ich als Rektor arbeitete, ist schließlich die Schulstufe, welche in allen Bundesländern einen unverfälschten Querschnitt der Gesamtbevölkerung erfasst – besonders in Zeiten der Inklusion, sodass sogar der Bereich von Lernbehinderungen und sozialen Sondersituationen der Erziehungspraxis mit einbezogen werden kann.</p>
<p>Neben dem Eins-zu-eins-Querschnitt ist für eine Grundschullehrkraft ebenso der Längsschnitt kindlicher Entwicklung sehr gut zu verfolgen. Zugleich hat man insbesondere als Schulleiter mit einer weiteren unverfälschten Stichprobe aus dem Bevölkerungsquerschnitt zu tun, namentlich mit den Eltern. Wenn man diesen Beruf schließlich mehr als eine Menschengeneration lang ausübt, dann hat man darüber hinaus die gesellschaftliche Entwicklung über einen langen Zeitraum direkt vor den Augen. Weil man als Pädagoge tagtäglich mit Kindern zu tun hat – und davon ausgehend wiederum mir Erwachsenen, so bedingt bereits diese Reihenfolge, dass man das Kind im Erwachsenen sehr leicht erkennt. Ich würde sogar sagen, dass einem dieses oftmals direkt „in die Augen springt“!</p>
<p>Mein analytisches Denken geschieht dabei im Stile der analytischen Sozialpsychologie Erich Fromms; nur eben zeitlich fortgeschrieben bzw. aktualisiert und – wie im Falle dieses Buches – übertragen auf die Pädagogik. Bei Erich Fromms Gesamtwerk fehlt in relativen Anteilen – besonders als Pädagoge ergeht es einem so – ein wenig die Übertragung seiner analysierten gesellschaftlichen Phänomene auf das intentionale Wirken, realisiert besonders im Pädagogischen: Denn jede „Untersuchung der Charakterbildung bleibt stille Theorie, solange wir diese Frage nicht einigermaßen konkret beantworten und dadurch der Pädagogik Anhaltspunkte liefern können.“</p>